Dienstag, 13. März 2012

Fragwürdige Entwicklung bei Spielen auf Zeitschriften

Was ist los die Zweite!? Nachdem vor zwei Wochen PC Games und Gamestar zwei absolute Knallerspiele auf ihre Datenträger gebannt hatten, sieht es beim Rest, von einer Ausnahme abgesehen, irgendwie sehr mau aus.

Sowohl die PC Games Hardware als auch die PC Action 4 / 2012 offerieren zeitgleich die aufgebackene Vollversion ihres Mutterblattes PC Games von vor zwei Ausgaben, namentlich die King’s Bounty Collection. Diese enthält, anders als der Name vermuten lässt, nicht das Original-King’s Bounty, sondern ausschließlich das Stand-Alone-Add-on Armored Princess und das Add-on Crossroads. Nichtsdestotrotz ein schönes Spiel, das Genrefans begeistert.

Kommen wir zum Highlight: The whispered World von Daedalic ist ein klassisches Point & Click Adventure, das im Juli 2009 erschien und viel Lob von Kritikern und Fans einheimste. Entstanden als Diplomarbeit mit der kostenlos vorliegenden mächtigen 2D-Adventure-Engine Visionaire hievte der Titel Daedalic nach dem ebenfalls als Diplomarbeit entstandenen Edna bricht aus auf den inoffiziellen Thron der deutschen Adventureentwicklerszene. Erstgenanntes Spiel können Zocker jetzt für einen kleinen Obolus, der für die Computer Bild Spiele Gold 4 / 2012 zu entrichten ist, eintauschen. Dafür erhalten sie auch gleich noch einen ganzen Warenkorb an anderen Titeln. Bei denen ist allerdings leider oft der Wurm drin – und das leider ganz unabhängig von ihrer Qualität. Wieso, das werden wir jetzt sehen:

Da wäre zunächst King Arthur – The Roleplaying Wargame. Eine durchaus beachtete Mischung aus Strategie- und Rollenspiel. Der Haken dabei, das Spiel benötigt einen existierenden Steam-Account und muss online aktiviert werden. Ganz irre wird es beim USK 18- Spiel Hitman: Blood Money von 2006. Eigentlich eine tolle Sache, da immer noch ein erstklassiges Spiel aus der Schleichspiel-Reihe des dänischen Entwicklers IO Interactive, immerhin erscheint ja bald der Nachfolger Hitman: Absolution. Leider liegt der Titel ausschließlich als Download vor. Das Spiel erscheint nämlich im Rahmen einer Promotion der Computer Bild Spiele mit der Deutschen Post, die gerne Werbung für ihren eBrief machen würde (weil den niemanden interessiert …). Bevor der Spieler in die Haut von Agent 47 schlüpfen kann, gilt es einige Hindernisse zu überwinden. Der abgebrühte Aspirant muss sich erst einmal beim eBrief anmelden und daraufhin eine Altersverifikation via Postident durchführen, danach gibt es einen Downloadcode für den extra zu installierenden Computer Bild Game Center, in dem drei einzelne Dateien heruntergeladen und anschließend entpackt werden wollen. Abgerundet wird der Reigen der Kundenfeindlichkeit bei Motorbike Challenge. Um den völlig unbekannten und grafisch tristen Titel spielen zu können, muss der Zocker zunächst einen Account bei Publisher Franzis anlegen. Immerhin, das kleine Puzzlespiel Full Pipe, welches sich auch noch auf der Zeitschriften-DVD findet, scheint ohne diese Schikanen und DRM-Maßnahmen auszukommen, jedenfalls fanden sich keine kritischen Kommentare hierzu im Forum der Computer Bild – vielleicht hat es aber auch einfach niemand ausprobiert …

Ich persönlich kann mir eine Anmerkung hierzu nicht verkneifen. Sicher, einen USK 18-Titel wie Blood Money findet sich nicht alle Tage auf deutschen Spielemagazinen, eigentlich sogar noch nie. Dennoch hätten die Mannen bei Springer sich etwas weniger Aufwendigeres und Kundenunfreundlicheres ausdenken können. Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, dass auf Brechen und Biegen der vor sich hinsiechende eBrief gepusht werden sollte. Außerdem erwarte ich von einem Spiel, das auf einer Computerzeitschrift angeboten wird, dass es „out-of-the-box“ läuft. Voraussetzungen wie ein Steam-Konto oder generell das Anlegen eines Accounts beim Publisher möchte ich gerade bei solchen Titeln nicht sehen! Das hat zuerst einmal den üblen Mief von Werbung – die Zeitschrift müsste günstiger angeboten werden, da weniger Wert an Bezahlinhalt geboten wird als sonst – und Verweigerer dieser Datensammler, Accountbinder etc. pp. schauen in die Röhre, können die von ihnen gekaufte Ware also nicht nutzen bzw. werden genötigt, sich doch anzumelden. Ein fragwürdiger Zwang und eine Entwicklung in die falsche Richtung!

Als nachträgliche Ergänzung konnte ich inzwischen in Erfahrung bringen, dass in der kommenden Ausgabe der Computer Bild Spiele 5 / 2012 das 2009 (hierzulande Juni 2010) erschienene, rundenbasierende Fantasy-Strategiespiel Disciples III - Renaissance der russischen Entwickler Akella enthalten sein wird. Das Spiel bietet hübsche Grafik sowie drei Kampagnen und ist auch für Einsteiger geeignet. Die Disciples-Serie erreichte nie den Ruf (und die Wertungen) von Titeln wie Heroes of Might & Magic, erfreut sich aber einer treuen Fanbase. Ein Nachfolger, Disciples III - Resurrection, erschien erst vor wenigen Monaten. Über einen möglichen vierten Teil liegen derzeit noch keine Neuigkeiten vor.

Kommentare:

  1. Hab auch gedacht ich seh nicht richtig, als ich die Anforderungen vor dem Aktivieren von Hitman gelesen habe... Generell finde ich die Spiele auf den DVDs in den letzten Monaten eh mau, und dann so was. Dieser blöde ePostbrief wird auch durch solche Maßnahmen nicht zu retten sein, und wir Zocker(innen) müssen erst dies und das durchmachen, um einen Titel spielen zu können...

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  2. Naja, aber wie soll man sonst die Altersverifikation durchführen? Axel Springer MUSS das Alter Überprüfen können, da gibt es nicht so viele Möglichkeiten. Der E-Postbrief kann übrigens auch in einer Filiale Freigeschaltet werden.

    Wie sollen die das sonst machen? So viele Möglichkeiten der Altersverifikation gibt es da leider nicht

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    1. Beim Thema Altersverifikation im Internet gibt es noch immer keine abschließende gesetzliche Lage. Internetseiten tun dies in Deutschland auf mehrere Arten. Eine Möglichkeit ist, genau wie Fernsehsender, den Download / das Erwachsenenangebot nur zwischen 22 Uhr und 6 Uhr anzubieten (z.B. Gamers Global). Eine andere ist die Abfrage der Personalausweisnummer (z.B. Gamestar).
      Das mag Jugendschutzvereine nicht zufriedenstellen, ist derzeit aber (noch) legitim. Die sicherste (und nervigste) ist natürlich Postident. Allerdings stehen Spiele auch nicht so auf der roten Liste der Jugendschützer. Erotikseiten mögen deswegen wahrscheinlich nur(?) letzteres verwenden bzw. sowas wie AdultCheck (oder wie die alle heißen), wo man sich allerdings dann auch per Postident verifizieren muss.

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