Sonntag, 9. März 2014

Samsung Galaxy TabPro und NotePro 12.2

Vor nicht ganz eineinhalb Jahren hat es auch mich erwischt, ich gönnte mir nach langem Zögern ob ich es überhaupt benötigte endlich auch selbst ein Tablet. Monatelang haderte ich, welches Modell und wenn, wie viel möchte ich für so ein reines Spaßgerät zum gelegentlichen Couchsurfen überhaupt ausgeben? Am Ende stieg mein Budget mal eben auf das Doppelte, von 200 auf 400 Euro. Da, wenn ich schon so viel Geld ausgebe, dann auch wenigstens etwas Vernünftiges wollte, dies für 200 Euro aber nicht zu kriegen war (und ist). Nach ausgiebigem Antesten in Geschäften und bei Freunden von diversen Geräten, darunter etwa diverse Samsung Galaxy Tabs und iPads entschied ich mich im November 2012 schließlich für ein Acer Iconia A700 mit 10 Zoll 1920 x 1200 Pixel zählendem Full HD Bildschirm, 1,3 GHz Quadcore Nvidia Tegra 3 SOC (System on a Chip), 1GB RAM, 32GB SSD, Micro-SD Kartenschacht und Micro-HDMI Anschluss sowie Android 4.1. Ein Gerät mit iOS kam für mich wegen des abgesperrten Systems, ich möchte über die Windows Netzwerkfreigaben beliebig Daten über WLAN zwischen PC und Tablet austauschen, sowie des (wesentlich) höheren Preises für ein vergleichbar ausgestattetes iPad nicht infrage.

Wer sich Tests zu diesem Tablet oder Geräten mit Android im Allgemeinen ansieht, dem wird auffallen, dass viele empfindsame Naturen ihnen eine gewisse Trägheit bzw. ein Ruckeln unterstellen. Gerade das Iconia A700 wurde in ersten Berichten dafür stark kritisiert. Tatsache ist, nach dem ersten (und leider einzigem) Systemupdate auf Android 4.1.1 gab das Gerät mit einmal ordentlich Gas. Generell ist es aber wohl ein Problem, dass die Standardeinstellungen von Android nicht unbedingt optimal sind. Hier einmal kurz ein paar Tipps, wie noch so manchen, vermeintlich ruckligen Android-Geräten ordentlich auf die Sprünge geholfen werden kann: In den Einstellungen sollte im Punkt Display die Touchpad-Empfindlichkeit auf Hoch gestellt werden. Bei den Energieoptionen reicht hingegen in der Regel der Zustand Ausbalanciert, dies kann nämlich im Vergleich zur Höchstleistung die Akkuhaltbarkeit extrem verlängern, ohne dass bei normaler Nutzung Leistungseinbußen auffallen. Unter Bedienungshilfen beim Punkt Reaktionszeit Berühren / Halten diese auf Kurz stellen sowie bei Sprache & Eingabe den Regler für die Zeigergeschwindigkeit nach rechts auf das Maximum ziehen. Es ist wirklich erstaunlich, um wieviel flotter viele Androiden dann reagieren.

Wenn es dann mit einmal doch anfängt zu ruckeln, liegt die Schuld nicht beim Gerät, sondern zu 100 Prozent an einer spezifischen, gerade genutzten App. Gerade ältere Software hat mit moderner Hardware oder speziellen Prozessoren einfach so ihre Probleme.

Auch hier kann ich ein paar Erfahrungswerte liefern. Adblock Plus etwa ist ein unheimlich nützliches Tool um gerade auf Mobilgeräten nicht nur Internetkapazitäten zu sparen, sondern auch das Surfen um einiges zu beschleunigen. Leider ist dieses Programm unter Android nicht als Addon in den jeweiligen Browser integriert, sondern wirkt systemübergreifend. Das bedeutet, Adblock schaltet sich zwischen jede App, die auf das Internet zugreifen will. Viele Apps kommen damit nicht klar. Selbst der Google Play Store bekommt erhebliche Verbindungsprobleme, andere, insbesondere werbefinanzierte Software, läuft erst gar nicht oder stürzt gerne mal ab. Ich persönlich habe Adblock deswegen wieder deinstalliert, die Alternative, die App jedes Mal zu starten, bevor ich den Browser öffne und danach sofort wieder zu deaktivieren, war mir viel zu umständlich.

Generell sollten Nutzer beim Surfen nicht zu viel erwarten. Hier liegt die Schuld aber nicht am Betriebssystem, weder Android noch iOS tun sich da etwas, sondern an der Systemarchitektur der meisten Tablets und Smartphones. Diese nutzen nämlich, von wenigen neueren Ausnahmen wie dem Asus MemoPad FHD 10 abgesehen, alle Prozessoren vom Typ ARM. Anders als die vom PC bekannten X86 Prozessoren setzen Geräte mit ARM nicht auf brachiale Rechenpower, sondern auf Stromsparen. Dazu verfügen sie über einen RISC-Befehlssatz (Reduced Instruction Set Computer) während herkömmliche PCs ihren Prozessor mit CISC-Befehlen (Complex Instruction Set Computer) ansprechen. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Bei Mobilgeräten äußert sich das im Vergleich zu Geräten mit X86 CPU so, dass (komplexe) Webseiten oder Dokumente (PDF, Excel) nur sehr lahm dargestellt werden, während hingegen Videodekodierung, also das Abspielen von Filmen, extrem flott von der Hand geht und auch der Arbeitsspeicherbedarf relativ bescheiden bleibt. Nutzer, die also wirklich viel surfen oder gar tatsächlich Büroarbeiten mit einem Tablet erledigen möchten, greifen also lieber zu einem Gerät mit X86 SOC von Intel oder AMD, allerdings rät sich dann im Zweifel gleich ein Windows 8 Tablet an, da die Mobilbetriebssysteme sowieso keine Applikationen bieten, die mit „echter“ Software, wie vom PC bekannt, mithalten können. Selbst die größten Textverarbeitungen für Android oder iOS bieten nämlich kaum mehr als das bei Windows mitgelieferte und von vielen geschmähte WordPad.

Samsung Galaxy Tab 12.2Endlich ein Tablet mit 12 Zoll Display: Das Samsung Galaxy NotePro 12.2.

Komme ich endlich zum eigentlichen Grund dieses Artikels und warum ich ihn gerade jetzt verfasse. Tablets gibt es in der Regel mit Displaygrößen zwischen sieben und zehn Zoll. Einige Windows-Hybriden kommen auch schon mal mit 11,6 Zoll Display daher, sind dann allerdings meist alleine wegen ihres hohen Gewichtes von teilweise über einem Kilo kaum noch als Tablet zu bezeichnen. Während sieben und acht Zoll gerade im mobilen Einsatz in Bus oder Bahn durchaus praktisch sein mögen, haben sich für mich selbst Geräte mit zehn Zoll für viele Einsatzzwecke noch als zu klein erwiesen. Bei Webseiten und Dokumenten ist viel scrollen angesagt, Zeitschriften oder Comics lassen sich ohne zoomen überhaupt nicht lesbar betrachten. Schon vor vielen, vielen Monaten wünschte ich mir ein Tablet mit einem etwa zwölf Zoll großen Bildschirm, allerdings im Vergleich zu heutigen zehn Zöllern mit schmalem Rahmen um das Display herum, um die Teile nicht zu groß und klobig werden zu lassen. Und ich wunderte mich stets, dass immer noch kein Hersteller solch ein Tablet anbietet. Mein Ruf wurde jetzt allerdings doch noch erhört und der koreanische Hersteller Samsung springt mal wieder in die Bresche und brachte vor wenigen Tagen mit dem Samsung Galaxy TabPro 12.2 (T9000) und dem Galaxy NotePro 12.2 (P900 und P905) vorläufig drei Modelle, jeweils in schwarz oder weiß erhältlich, die dieses Kriterium endlich erfüllen.

Das normale Galaxy TabPro kostet im Handel derzeit etwa 630 Euro (die Unverbindliche Preisempfehlung (UVP) beträgt 689 Euro), das NotePro ist im Vergleich dazu erstaunlich günstig, das Digitizer-Display und damit einhergehend die ausgezeichnete Stiftbedienung, welche die Notes auszeichnen, werden, was ungewöhnlich ist, für nur 50 Euro mehr angeboten, schlagen also mit um die 680 Euro zu Buche (UVP ist allerdings 799 Euro). Diese beiden 12,2 Zöller haben einen mit 1,9 GHz getakteten Samsung Exynos SOC, stolze 3GB RAM und die übliche 32GB SSD, wobei wohl Modelle mit 64GB geplant sind. Weitere Ausstattungsmerkmale sind eine laut ersten Tests im Vergleich leicht bessere aber immer noch nicht gute 8MP Kamera mit integriertem Blitz, eine kleine 2MP Frontkamera, WLAN, GPS, Bluetooth, Infrarot-Schnittstelle, sogar USB 3.0 - allerdings mal wieder mit Spezialstecker, Micro-SD Schacht für Karten mit bis zu 64GB sowie einen Akku mit 9500 mAh, der für das große Display auch dringend benötigt wird und eine Nutzungsdauer von elf bis 13 Stunden garantiert. So gesehen haben die Tablets alles, was der Nutzer sich wünschen kann. Ein dedizierter Mini-HDMI-Port wäre vielleicht noch wünschenswert gewesen, damit das Tablet während der Filmwiedergabe auf dem TV gleichzeitig am Ladekabel hängen kann.

Aber jetzt kommt die Crux! Das NotePro ist auch mit LTE Mobilfunk erhältlich, wobei es sogar eine Telefonfunktion anbietet. Soweit so gut. Dieses Modell kostet allerdings gleich mal etwa 830 Euro, wobei hier die UVP das Konto sogar gerne mit 899 Euro belasten würde. Auf den ersten Blick ein ungewöhnlich starker Preisunterschied. Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch, dass Samsung hier einen anderen Prozessor einsetzt, nämlich eine laut ersten Benchmarks weitaus potentere, mit 2,3 GHz getaktete Snapdragon SOC von Qualcomm. So sollen ersten Berichten zur Folge die Modelle mit Exynos ein wenig ruckelnd laufen, während die LTE-Variante mit dem Snapdragon quasi das derzeit schnellste Tablet überhaupt zu sein scheint. Wer keinen Mobilfunk benötigt, der wird also dennoch dazu genötigt, eher zum teureren Modell zu greifen.

Das Display mit seinen 2560x1600 Pixeln bei 12,2 Zoll halte ich für absolut die richtige Mindestauflösung. Normales Full HD wäre bei der doch erheblich größeren Bildschirmfläche einfach zu wenig gewesen. Mehr würde hingegen wohl nur für wenige Anwender Sinn machen und auch den Akku zu extrem belasten. Ich kann es nur noch einmal wiederholen, auch wenn vielen Menschen bei den zehn Zöllern Auflösungen im 1280x800 Bereich auszureichen scheinen, ich habe mich explizit damals für mein Tablet vor allem wegen der Full HD Darstellung entschieden, weil ich erst dort die Pixel kaum mehr wahrnehmen konnte und Texte als auch Bilder erheblich schärfer erschienen, was bei längerer Nutzung die Augen ernstlich schont.

Während 3GB RAM absolut klasse und ein richtiger Schritt sind, sind 32GB Speicher leider eine unnötige Stagnation, insbesondere weil Google bei Android 4.4 wohl den Zugriff auf SD Karten weiter beschränkt hat. Das ist nicht Samsungs Schuld, hier muss Google endlich mal was ändern, wenn sie ihr System nicht irgendwann durch einen neuen Konkurrenten abgelöst sehen wollen.

Das Gewicht ist mit ca. 500 Gramm (TabPro) und 750 Gramm (NotePro) alles andere als ein Leichtgewicht. Zwar weniger als (kleinere) Windows Tablets aber halt im Falle der Notes doch schon wieder einiges schwerer als die schwersten 10 Zoll Androiden. Mein eigenes Tablet wiegt knapp über 600 Gramm und das ist auf Dauer immer schon ein ganz schöner Brocken. Ich bin nun kein Schwächling, aber wenn das Gerät nicht abgestützt werden kann, etwa auf dem Schoß oder beim Liegen auf dem Sofa bzw. im Bett, dann wird das auf Dauer immer eine ganz schöne Anstrengung.

Ein weiterer Kritikpunkt, der bisher bei Nutzern gefallen ist, betrifft die Ladezeit des Akkus. Die Rede ist von über sechs Stunden. Zum Vergleich, mein Acer A700 mit gleichgroßem(!) Akku benötigt etwa drei Stunden zum Aufladen. Hier hätte ein stärkeres Ladegerät Wunder gewirkt. Andererseits gab es bei meinem Gerät auch wieder einige Besitzer, die sich darüber aufgeregt haben, dass ein spezielles Netzteil nötig ist. Man kann es halt nie allen Recht machen.

Abschließend lässt sich sagen, ich halte die Richtung für wegweisend und absolut notwendig. 12,2 Zoll erlaubt schon die Darstellung auch größerer Seiten bis etwa DIN A4, die so auch endlich ohne zu zoomen auf einem Tablet lesbar werden. Ärgerlich in diesem bestimmten Fall ist, dass die Modelle ohne LTE mit einer schwächeren CPU daherkommen und sie dadurch stark entwerten. Kommen wir also zur Gretchenfrage, würde ich mir ein Samsung Galaxy mit 12,2 Zoll kaufen? Die Antwort darauf lautet in diesem Fall jedoch zunächst noch nein, da ich bereits ein gutes Tablet besitze und das damals 400 Euro teure Gerät noch mindestens ein bis zwei Jahre ausreichen muss, um seinen Preis rechtfertigen zu können.

Und das ist der größte Knack- und Kritikpunkt an diesen ultraportablen Minicomputern: der Preis! So eine Hardware mag durchaus 600 bis 900 Euro wert sein, nur für das Geld bekomme ich schon ein wesentlich leistungsstärkeres Notebook oder einen Tablet-Hybriden mit schnellem Core i5 Prozessor und vollwertigem Windows. Denn Tablets mit Mobilbetriebssystem, und das gilt für Android und iOS gleichermaßen, sind und bleiben reine Medienkonsumgeräte, reine Spaßmaschinen zur Unterhaltung. Und dies wertet sie im Vergleich so dermaßen ab, dass solche Geräte zu einem solchen Preis eigentlich witzlos sind. Meine persönliche Schmerzgrenze liegt hier bei etwa 400 Euro, vielleicht 450, wenn die Hardware wirklich außergewöhnlich toll ist. Unter Windows – oder Mac OS X, falls Apple jemals ein Tablet damit anbietet – sind die Möglichkeiten einfach wesentlich größer, da dort sämtliche normalen Anwendungsprogramme laufen und eben nicht nur Apps mit ihrem beschränkten Funktionsumfang, der sie in der Regel zur reinen Spielerei degradiert. Tablets mit einem vollwertigen Desktop-Betriebssystem lassen sich mittels Maus und Tastatur schnell in ein richtiges Notebook verwandeln. Mangels „großer“ Software ist dies bei Android und iOS halt nicht der Fall, auch wenn sich hier selbstredend auch externe Steuerungsgeräte anschließen lassen, selbst wenn das in der Regel wenig Sinn macht.

Ich warte also erst einmal die weitere Entwicklung ab und hoffe, dass auch andere Anbieter auf den Zug mit aufspringen und Tablets mit zwölf Zoll anbieten werden. Wenn dann der Preis noch stimmt, dann wird in absehbarer Zukunft so ein Gerät mein bisheriges Tablet als Bespaßungsmaschine in der Freizeit ersetzen. Vielleicht mausert sich Android ja auch noch zu einem vollwertigen Betriebssystem oder Windows kriegt es ohne Aufteilung in Touch- und normale Oberfläche auf die Reihe irgendwann alles unter einen Hut zu kriegen? Die Zukunft bleibt offen und vor allem aber spannend.

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