Samstag, 12. Januar 2013

2013: Das Jahr der Mini-Konsolen

Das Jahr 2013 verspricht, eine neue Ära im Bereich der Videospiele einzuläuten. Die WiiU von Nintendo machte kürzlich den Anfang, es kann erwartet werden, dass sowohl Microsoft als auch Sony Nachfolger für ihre großen Konsolen Xbox 360 und Playstation 3 ankündigen und vielleicht sogar schon zum Ende hin auf den Markt bringen werden. Die durch Kickstarter bekannt gewordene Ouya, ein kleines Kästchen auf Android-Basis mit eigenem Store, steht ebenfalls in den Startlöchern. Auf der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas wurden dieser Tage dazu noch zahllose weitere Spielgeräte vorgestellt.
Allen voran drängt sich Valve derzeit in die Schlagzeilen. Zunächst wurde der Piston promotet, ein winziger Home Theater Personal Computer (HTPC) auf AMD Trinity-Basis, von dessen Hersteller Xi3, Valve, nach dessen missglücktem Kickstarter-Versuch, Firmenanteile gekauft hat. Dann erläuterte Valve-Boss Gabe Newell ausführlich das Konzept seiner Steambox, welche unter dem Codenamen Bigfoot läuft. Wer die Berichte aufmerksam verfolgte, wird jedoch ernüchtert feststellen, dass diese Box nichts weiter als ein schnöder HTPC mit Linux und vorinstalliertem Steam ist und leider eben doch keine Spielkonsole. Hier bekleckern sich ärgerlicherweise sämtliche Newsseiten nicht gerade mit Ruhm, da praktisch alle diesen Linux-PC als Konsole betiteln, weil der Name „Steambox“ sie in die Irre führt. Tatsächlich ist die Intention von Newell aber wohl eher, dass möglichst viele Anbieter von Komplettrechnern sein Steam vorinstallieren, ohne das Valve dafür bezahlen müsste, und diese das Gerät dann unter dem Begriff Steambox vermarkten können. Genaue Vorgaben, wie eine Steambox ausgestattet sein sollte, gibt es genau so wenig wie eine Lizensierung. Jeder darf seinen PC mit dem Begriff Steambox schmücken.
Xi3Piston
Der Piston von Xi3 ist ein sehr kompakter HTPC ohne optisches Laufwerk und mit schwacher (Spiele-) Hardware.
Aus genau diesem Grund halte ich die Steambox, egal ob Piston oder Bigfoot oder was auch immer noch kommen mag, der Playjam Gamestick macht auf Kickstarter derzeit seine Runden und soll nur der Vollständigkeit halber mit erwähnt werden, sowie auch die Ouya, für absolute Totgeburten! Denn die Geräte können nichts, was nicht andere, längst auf dem Markt erhältliche Computer, Tablets, Konsolen oder Smartphones nicht schon längst bieten, oft dazu noch mit weitaus größerem Mehrwert. Denn sowohl Steambox als auch Ouya haben ein Problem: Es gibt kaum Spiele!
Da Valve die Windows Lizenz sparen will, laufen die PCs bzw. HTPCs nur mit vorinstalliertem Linux. Zwar kann der willige Käufer nach Belieben auch Windows auf den Computern installieren, soll sich aber das Betriebssystem gefälligst selbst kaufen. Statt 30 Euro mehr für die Windows OEM-Lizenz gleich bei der Hardware mitzuzahlen, muss der Kunde dann unter Umständen also noch mal über 100 Euro mehr aufschlagen oder mit Linux leben. Das Problem dabei, derzeit gibt es exakt 42 Spiele für die Linux-Version von Steam. Fast alles sind (ältere) Indiegames. Valve möchte zwar ein paar eigene Titel, die auf ihrer Source-Engine basieren, umsetzen, aber wirklich umhauen wird dieses Angebot an mehr als sechs, sieben Jahre alten PC Spielen sicher niemanden. Umsetzungen anderer Spieleentwickler hingegen sind nicht am Horizont zu entdecken. Große Namen werden sich also von Haus aus auf der Steambox sehr rar machen.
Meiner Ansicht nach wird Valve mit diesem Konzept, ich entschuldige mich für die Ausdrucksweise, voll auf die Schnauze fallen! Wer den PC-Markt der letzten Jahre beobachtet hat, weiß, dass Komplettrechner ohne vorinstalliertes Windows wie Blei in den Regalen liegen bleiben, denn niemand kauft einen Komplett-PC, der kein vermeintlich kostenloses Windows dabei hat. Außerdem wird den meisten offiziellen Steamboxen wohl ein optisches Laufwerk fehlen, Newell empfiehlt den Herstellern jedenfalls den Verzicht, alles soll über das Internet laufen, Spiele, Filme und Anwendungen sollen möglichst ausschließlich über Steam bezogen werden. Als vollwertiger Mediencenter ist der „Dampfkasten“ also auch nur eingeschränkt brauchbar. Zumindest hierzulande werden wohl viele nicht auf DVD- und Blu-ray-Abspielmöglichkeiten verzichten wollen. Insbesondere da die Angebote für Videodownloads in Deutschland doch arg beschränkt sind. Mehrere Tonspuren etwa bietet meines Wissens keiner an. Für viele Filmfans ist das aber absolute Pflicht.
Ouya
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Ouya ist weder Fisch noch Fleisch. Eine stationäre Heimkonsole mit Mobil-Betriebssystem. Dafür mit knapp 100 Dollar extrem günstig.
Ouya hat ebenfalls das Problem mit dem speziellen eigenen Store. Entwickler müssen extra ihre Google-Play-Store-Titel anpassen. So müssen alle Spiele entweder vollständig Free to Play (F2P) oder aber zumindest kostenlos anspielbar sein. Nur warum sollte irgendein Hersteller extra für den Ouya-Store anpassen, wenn es den Titel bereits im Play-Store gibt? Ergo werden bis auf eine Handvoll Games keine Spiele erhältlich sein. Exklusivtitel wird es dort selbstredend wohl auch keine geben, es sei denn, die Ouya-Macher bringen selbst mal ein Spiel raus. Dazu kommt die Frage, will der Zocker für kleine Handheld-Bildschirme gemachte Titel wirklich auf dem großen TV-Schirm spielen? Gelegentlich mag das mal für fünf Minuten zwischendurch angehen, aber generell richtet es sich der Gamer doch nur gemütlich vor dem Fernseher ein, wenn es mal eine längere Spielesession werden soll. Und kleine Zwischendurch-Spielchen bieten die großen Konsolen mit ihren eigenen Stores sowieso auch. Die meisten Smartphones und Tablets können Ouya ebenfalls problemlos ersetzen, lassen sie sich doch vorwiegend ebenso unkompliziert mittels HDMI an den LCD-TV anstöpseln. Einzig die Möglichkeit das Gerät zu rooten, macht die Ouya für Emulatorfreunde und Raubkopierer als günstige Einstiegshardware interessant. Da die Ouya auf NVidias Tegra 3 aufsetzt, ist sie zumindest derzeit noch ausreichend schnell für alle Android-Games. Jedoch veraltet Smartphone-Hardware sehr schnell und NVidia hat jüngst schon den um einiges flotteren Tegra 4 vorgestellt. Die Halbwertszeit der Ouya ist für eine stationäre Konsole also wohl extrem gering.
RazerEdge
Das Edge von Razer ist ein High-End Tablet mit zusätzlichen Controllern für Spiele.
Besser machen es meiner Ansicht nach NVidia selbst, als auch der durch Gamer-Peripherie bekannt gewordene Hardwarehersteller Razer. Letzterer bringt mit dem Edge ein vollwertiges Tablet mit an den Seiten angeflanschten Controllern auf den Markt. Wobei der Preis, typisch für Razer, sich eher mit absoluten Freaks, beziehungsweise als Spielzeug für Millionärskinder kompatibel zeigt. Das Edge soll je nach Variante zwischen 1000 und 1300 Dollar kosten. Für den Controller werden zusätzliche(!) 250 Dollar fällig. Massenmarkttauglich ist der Bolide somit nicht, obwohl die Hardware mit seinem Core i5 bzw. Core i7 Prozessor extrem potent, der Preis also durchaus gerechtfertigt ist, und das Edge auch als ultraportabler Tablet-Notebook-Zwitter, genau wie das Microsoft Surface, seinen Dienst verrichten kann. Da diese eierlegende Wollmilchsau mit Windows als Betriebssystem kommt, ist die Spielebibliothek jedenfalls die mit weitem Abstand riesigste.
NVidiaShield
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der Shield von Grafikspezialist Nvidia vereint Spiele-Handheld, Joypad und Tablet in einem Gerät.
Bleibt noch NVidias Shield, über das in schwarz und giftgrün gehaltene eckige und futuristisch aussehende Teil wird designtechnisch heftig gestritten. Ein Gamepad mit angeflanschtem fünf Zoll Touchscreen, der sich umklappen lässt. Sieht zunächst alles andere als Elegant aus, scheint jedoch höchst praktisch. Das Ganze ist mit dem derzeit wohl stärkstem System on Chip (SOC) bestückt, dem brandneuen Tegra 4 mit vier CPU-Kernen auf ARM 15-Basis (der Vorgänger Tegra 3 lief auf ARM 9) sowie 72 Grafikkernen auf GeForce-Grundlage (der Vorgänger besaß nur zwölf). Damit ist der Shield also durchaus einigermaßen zukunftssicher. Und ich halte es für das innovativste und sinnvollste Gerät von den hier vorgestellten. Denn es vereint „the best of both worlds“ in sich. Zum einen ist es ein (sehr kleines) Android-Tablet, alle Spiele aber, ähnlich wie beim grottigen Archos Gamepad, sind (optional) mit dem recht gut scheinenden Controller spielbar. Aber eben nicht nur unterwegs auf dem kleinen Schirm, sondern auch auf dem Fernseher. Vorausgesetzt, der stolze Shield-Besitzer ist auch Eigner eines Gaming-PCs mit mindestens GeForce GTX 650 oder eines Notebooks mit GeForce GTX 660m, lassen sich über das „Joypad mit Schutzschild“ auch sämtliche PC Spiele auf den Fernseher streamen und zocken. Ziemlich genial! Sicher ist das in seinen Einzelteilen alles nichts wirklich Neues, in der Form und Kombination wie NVidia es hier präsentiert jedoch schon. Wenn der Preis stimmt, und ich wage einen Schuss ins Blaue, er wird zwischen 400 und 450 Euro liegen, dann kann Shield durchaus Nintendo 3DS und Sony Playstation Vita einige Käufer abluchsen und PC Spieler, die eigentlich mit einer Konsole liebäugelten, doch durchaus dazu verleiten, eher den Rechner noch einmal aufzurüsten.
Reine Konsolenspieler werden jedoch von keinem der neu vorgestellten Spielgeräte wirklich angesprochen. Entweder mangelt es an Spielen oder die Hardware ist im Vergleich zu ähnlichen Geräten, sei es im Fall der Steambox ein HTPC oder Laptop, beim Ouya das Tablet oder Smartphone, schlicht nicht flexibel genug. Selbst große Namen wie Gabe Newell und Steam garantieren keinen Erfolg. Eine große Konsole ohne Retailspiele auf Datenträger, ohne neue herausragende Triple-A Games, möglichst auch einigen Exklusivtiteln, die als Systemseller fungieren, hat eigentlich keine Chance auf dem Markt. Das werden sowohl Steambox als auch Ouya schmerzhaft zu spüren bekommen. Der Shield hingegen kann eine schöne Ergänzung für PC Gamer sein sowie sich auch Handheld-Zockern als Alternative anbieten und somit seine kleine feine Nische im heiß umkämpften Spielemarkt finden.

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