Freitag, 28. Juni 2013

Der Blick in die Glaskugel

Eine hellseherische Prognose über die Verkaufszahlen der kommenden Konsolengeneration

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Wenn Marktanalysten in den News von Videospieleportalen erscheinen, dann ist die Häme und der Spott, der über sie ausgeschüttet wird, immer riesig. „Der hat doch überhaupt keine Ahnung“, ist einer der meistgehörtesten Kommentare. Nichtsdestotrotz wage ich mich einmal selbst daran, die Zukunft der kommenden Konsolengeneration zu prognostizieren. Als Grundlage dienen die Verkaufszahlen der aktuellen und vergangenen Konsolengeneration sowie eigene Beobachtungen von derzeitigen Trends. Es dient mir also nicht nur meine magische Glaskugel für die Vorhersage, sondern meine persönliche Abschätzung basiert auf der aktuellen Marktsituation und sollte trotz klarer Tendenzen auch als wertfrei gesehen werden.

Betrachten wir das Bild der heutigen Konsolen. Weltweit liegen Microsoft XBox 360 und Sony Playstation 3 (PS3) etwa gleich auf, wobei die XBox in totalen Zahlen wohl mit 1 oder 2 Millionen verkauften Einheiten mehr leicht führend scheint. Allerdings gibt es kaum einen XBox Besitzer, der nur eine Konsole besaß, weil die Teile ja anfangs dauernd kaputt gingen, Stichwort: „Ring of Death“. Ich gehe also einfach mal von einem wirklichen Patt aus. Die absolute und eindeutige Vormachtstellung hält die XBox 360 in den Konsolen-Hochburgen USA und in England. Im Rest der Welt liegt jedoch die PS3 zum Teil ebenso deutlich vorne.

Ich denke, dieser „Rest“ wird bei der kommenden Generation den Ausschlag geben. Zu beachten ist nämlich in erster Linie das Spieleangebot, insbesondere die Exklusivtitel, und wer was für eine Konsole kauft. Die XBox 360 ist dank Halo, welches zum Höhepunkt der Serie mit Teil 3 um die elf Millionen Stück verkaufte, die Alternative für Action- und Ego-Shooter-Zocker ohne einen PC - also eben gerade denjenigen Jugendlichen zwischen zehn und Anfang 20 in den USA (und England), die solche Titel bevorzugen. Die PS3 hingegen bietet ein breiteres Angebot an Spielen für Gamer mit vielseitigerem Geschmack, die es z. B. auch mal gerne ein wenig japano-mäßig hätten oder etwas gehaltvollere Titel mit mehr Story-Inhalten und mehr Tiefgang für Erwachsene wollen. Der Altersschnitt liegt bei der PS3 meiner Erfahrung nach eindeutig höher.

Vor wenigen Tagen musste Microsoft eine 180-Grad-Drehung hinlegen. Scheinbar waren die Vorbesteller-Zahlen für die Xbox One nach der massiven öffentlichen Kritik katastrophal. Nach dem Abschaffen der restriktivsten Spiele-Enteignungsmaßnahmen werden viele XBox Fans erleichtert aufgeatmet und sich die Konsole dann doch wieder auf ihren Wunschzettel geschrieben haben. Allerdings dürfte der Imageschaden immer noch beträchtlich und einige potenzielle Kunden damit verloren sein.

Die jetzigen in jungen Jahren angefangenen 360-Zocker werden langsam älter, die Interessen beginnen sich langsam zu verlagern. Auch aus diesem Grund wird die Xbox One als „alles in einem“ Mediencenter angepriesen. Die künftigen ehemaligen 360-Spieler, die jetzt langsam erwachsen werden und vielleicht in ein Studentenwohnheim oder ihre erste eigene Wohnung ziehen, sollen so wieder zur altbekannten Marke gelockt werden. Dies wird bei vielen insbesondere amerikanischen Fans wunderbar klappen.

Bei den Kindern hingegen wird man bei der One starke Einbrüche hinnehmen müssen. Die Eltern sehen, dass die PS4 100 Euro günstiger ist, die meisten Spiele, die Eltern ihre Kids zocken sehen wollen (Sportspiele etwa) gibt es auf beiden Konsolen. Und da es auch Call of Duty und Battlefield auf der PS4 gibt, ist der Verlust von Halo, dessen Verkaufszahlen für alle Teile und Ableger der Serie mit Teil 4 die 50 Millionen Marke geknackt haben, sowie Gears of War, Teil 1 bis 3 verkauften sich zusammen etwa 19 Millionen Mal, für die Kleinen nicht mehr ganz so dramatisch. Sonys Halo-Gegenentwurf Killzone spielt hier eine völlig untergeordnete Rolle, da es für Jüngere scheinbar nicht so interessant ist. Dass diese Games in Deutschland offiziell alle nur für Volljährige geeignet sind, spielt bei dieser Betrachtung übrigens keinerlei Rolle, es geht ausschließlich darum, wer diese Titel hauptsächlich weltweit tatsächlich spielt.

An dieser Stelle ein kurzer Schnitt. Wir erinnern uns, die letzte Generation verkaufte insgesamt 240 Millionen Konsolen. Beinahe 100 Millionen Mal ging Nintendos Wii über die Ladentheke, den Rest teilen sich je zur Hälfte 360 und PS3. Die Zahl der heutigen (Hardcore-) Konsolen-Gamer beläuft sich im Moment also weltweit auf etwa 120 bis 160 Millionen Spieler. Diese Zahl ist früher mit jeder neuen Konsolengeneration leicht angewachsen. Jedoch ging schon bei der vorherigen Ära eine leichte Stagnation einher. Die Playstation 2 dominierte den Markt absolut mit alleine circa 154 Millionen verkauften Geräten. Nintendos Gamecube mit seinen 22 Millionen und Microsofts XBox mit 24 Millionen verkauften Videogame-Systemen dümpelten weit, weit dahinter. Wobei die PS2 in ihrer Generation eben auch die Position der Casual-Konsole innehielt, dank ihres DVD-Players und z. B. den Singstar-Spielen. Dies bedeutet aber, es gab nicht so viele Casual-Spieler, die damals eine Konsole gekauft haben, wie eben aktuell die Wii, von daher sind die 240 Millionen Einheiten der heutigen Generation zu den 200 Millionen der letzten Generation differenziert zu sehen und werden wahrscheinlich nicht wieder erreicht. Die WiiU hingegen entpuppt sich derzeit als Ladenhüter. Die obligaten Nintendo-Fans kaufen sie wegen Mario, Mario Kart und Zelda, der große Anteil der Casual-Gamer hat jedoch bereits eine Wii und braucht keine neue Konsole. Wenn die WiiU also Gamecube-Niveau erreicht, mit Glück sogar an das Nintendo 64 mit knapp 33 Millionen verkauften Konsolen anschließen kann, sofern genügend interessante Spiele kommen, dann muss Nintendo damit ganz zufrieden sein.

Diese gesammelten Faktoren sind es, die mich zunächst zu der oben angeführten, stagnierenden Zahl der Konsolenverkäufe verleitet. Allerdings brechen weitere Verkaufszahlen weg. Denn während im höheren Alterssegment ein Teil der Spieler rausfällt, dessen Interessen sich gewandelt haben und die somit keine Konsole mehr kaufen, schwindet unten auch der Nachwuchs, weil Smartphone und Tablet gegenwärtig immer mehr Priorität bei den Jugendlichen erhalten. Diese Geräte entwickeln sich in rasendem Tempo weiter, in nur wenigen Jahren werden sie das grafische Niveau von Xbox 360, PS3 und WiiU erreicht und sogar überholt haben. Dank HDMI-Anschluss lassen sie sich auch problemlos am großen Fernseher betreiben. Sobald der Bedarf in dieser Richtung wächst, werden auch Wireless-Joypads von einem Großteil der Mobilspiele unterstützt werden. Schon heute zeigen einige iOS- und Android-Titel wie zum Beispiel die Wii-Portierung The Conduit, wohin die Reise dieser „Mobile Devices“ geht.

Meine Prognose ist also, dass die PS4 in dieser neuen Generation klar vorne liegen wird, jedoch selbstredend bei weitem nicht so klar wie zu PS2 Zeiten. Die Zocker werden älter und greifen deswegen vermehrt zur „erwachseneren“ Konsole, also der PS4. Unten fehlt Nachwuchs, der eine XBox One kaufen könnte. Jedoch hat die 360 eine riesige Fanbasis, von denen viele unbesehen zur One greifen werden.

Wenn ich also jetzt einfach mal Analyst spiele und mit Zahlen um mich werfe, dann würde ich hellseherisch prophezeien, dass die Xbox One klare Einbußen wird hinnehmen müssen und aufgrund seiner treuen Fanbasis auf vielleicht 35 bis maximal 50 Millionen verkaufte Einheiten kommt. Sony hingegen wird sich als der Gewinner entpuppen, der günstigere Preis, die sich leicht im Vorteil befindliche Technik, die wahrscheinlich beste Indie-Games Unterstützung der kommenden Generation sowie der höhere Altersschnitt der Spieler bescheren der PS4 letztlich vielleicht 80 bis mutmaßlich und mit Glück knapp über 100 Millionen verkaufter Geräte.

Der Konsolenmarkt wird meiner Ansicht nach also ganz klar schrumpfen und die 240 Millionen verkauften Konsolen der aktuellen Generation bei Weitem nicht mehr erreichen, wahrscheinlich sogar noch einiges unter die 200 Millionen der 128-Bit-Zeit zurückfallen, schlicht, weil der riesige Anteil der stark spezialisierten Wenig-Spieler günstige Alternativen auf dem Markt vorfinden wird, die seine Bedürfnisse erfüllen werden. So gibt es meiner Erfahrung nach viele Zocker, die nur wenige Titel kaufen, wenn nicht gar überhaupt nur einen. Namentlich vor allen anderen Fifa, gefolgt von Call of Duty und Battlefield. In nur wenigen Jahren könnten diese Kunden wegbrechen, weil sie mit einem spielefähigen Tablet oder Smartphone, das „ihr“ Spiel zufriedenstallend abspielt, gut bedient werden und sie, genau wie die große Menge der Casual-Gamer, somit keine teure Extraanschaffung in Form einer vollwertigen Spielkonsole mehr benötigen. Sogar die künftigen Smart-TVs könnten entsprechende Fähigkeiten mitbringen. Ein echtes Fifa Soccer auf Android- oder iOS-Basis ist letztlich also nur eine Frage der Zeit.

Nicht zuletzt als Gerät zum Abspielen von DVDs oder Blu-rays werden die Konsolen in Zeiten von Smart-TV und Medien-Streaming zusätzlich erheblich an Bedeutung verlieren. Unter anderem auch, weil in den meisten Haushalten wo Filme und Serien über das Internet (noch) keine Rolle spielen inzwischen entsprechende Player vorhanden sind, diese Fähigkeiten von XBox One als auch PS4 im Gegensatz zu vorherigen Generationen also keine großartige Rolle mehr spielen werden.

Als Quelle für die genannten Verkaufszahlen dienten Wikipedia und Google … ^^

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