Dienstag, 11. Juni 2013

E3: Sony „owned“ Microsoft!

Sorry für diese „Nerdspeak“-Überschrift, aber treffender lässt es sich nicht umschreiben. Sowohl Sony als auch Microsoft präsentierten auf ihren Electronic Entertainment Expo (E3) Shows brandneue Spiele, die heiß erwarteten Preisangaben als auch weitere Fakten zu ihren kommenden Konsolen. Und im Gegensatz zu früheren Shows, wenn neue Zocker-Hardware und ihre Software präsentiert wurden, gibt es nach diesen beiden Pressekonferenzen keine Zweifel mehr, wer das (weitaus) bessere Angebot in Petto hat. Zunächst aber einfach mal die harten Fakten zur Xbox One:

Der Preis zum Verkaufsstart im November liegt bei stolzen 499 Euro. Dafür bekommt der Kunde leicht schwächere Hardware im Vergleich zur Playstation 4 (PS4), ein ausgereiftes Kinect zur Sprachsteuerung und möglicherweise gleichzeitig ein ideales Tool, um sich ausspionieren zu lassen. Einen Onlinezwang gibt es obendrauf, denn alle 24 Stunden muss sich die Konsole mit den Microsoft-Servern verbinden, sonst starten die Spiele nicht. Loggt sich der Spieler mit seinem Account auf einer Fremdkonsole ein, reduziert sich diese Zeitperiode auf 60 Minuten. Games können nicht weiterverkauft werden! Theoretisch darf ein Spiel ein einziges Mal an einen Kollegen übertragen werden, sofern dieser seit mindestens 30 Tagen in der eigenen Freundesliste steht. Alte Xbox 360 Titel sind nicht spielbar aber dafür gibt es wieder einen Regionalcode, um Importe zu unterbinden. Die Hardware im Detail: Microsoft Custom CPU (basierend auf AMDs Jaguar) mit acht Kernen und 1,6 GHz Taktfrequenz, 8 GB DDR3 RAM, 500 GB nicht selbst wechselbare Festplatte und Blu-ray Laufwerk. Alle Spiele müssen installiert werden und können danach ohne Datenträger gespielt werden. Optionale Cloud-Unterstützung soll Spiele speziell aufpolieren. Dazu kommen LAN, WLAN, USB 3.0, Bluetooth und HDMI mit 4k Unterstützung.

XboxOne

Die spannendsten exklusiven Spiele werden altbekannte Marken sein, namentlich Forza 5, Halo (die 5 fehlte im Titel) sowie mit Quantum Break ein neues Game von Remedy (Alan Wake), in dem es um Zeit-Stopps geht. Von Halo wurde leider nur ein nichtssagender aber dennoch beeindruckender Rendertrailer gezeigt, der zu Beginn eine kleine Hommage an Sonys Journey zu sein schien. Forza präsentierte sich optisch gut aber nicht überwältigend und wird stark auf die Cloud setzen. Der „Drivatar“ des Spielers lernt, wie der Zocker fährt und geht online auf Punktejagd, wenn die Konsole ausgeschaltet ist und nicht selbst gespielt wird. Über das genaue Gameplay von Quantum Break hingegen, ließ sich leider auch nach diesem zweiten Trailer nichts sagen. Dennoch ist anzunehmen, dass alle drei sichere Kandidaten für wahre Spielspaß-Knaller sein werden.

Dead Rising 3, wie seine Vorgänger ein definitiver Anwärter auf die Beschlagnahmung nach § 131 StGB, bekam einen neuen realistischeren Look. Kein Zweifel, die Grafik war für ein Open World Low Budget Game erstaunlich gut, biss sich meiner Ansicht nach aber völlig mit dem abgefahrenen, übertriebenen Gameplay. Ob der Titel tatsächlich exklusiv bleibt, Teil 2 gab es auch für PC, wird sich jedoch noch zeigen. Auch Insomniac (Ratchet & Clank) stellte einen (Multiplayer) Online-Shooter vor: Sunset Overdrive. Dieser sah aus wie die Verwurstung der Überbleibsel von Overstrike, bevor es zu Fuse wurde – nur noch mal eine ganze Schippe cartooniger und kindlicher, wofür es jedoch erstaunlich brutal war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Titel hierzulande viele (volljährige) Fans finden wird. Anders vielleicht Ryse von Crytek. Aus der ehemaligen Kinect-Hampelei wurde ein Quick-Time-Event (QTE) Reaktionsspielchen mit bombastischer Inszenierung. Das gezeigte erinnerte frappierend an God of War meets Landung in der Normandie. Wenn nur die QTEs nicht wären, dann könnte das durchaus ein tolles Game werden, so wirkte es jedoch irgendwie extrem abschreckend. Meiner Meinung nach noch enttäuschender präsentierte sich die Neuauflage des Arcade- und N64-Klassikers Killer Instinct. Es sah aus wie Street Fighter 4 im Plastik-Look. Wie ein Downloadspiel kam Crimson Dragon rüber. Ebenfalls knallbunt und teilweise leicht plastemäßig, wird es insbesondere alte Sega Saturn Freunde ansprechen, es ist der Quasi-Nachfolger von Panzer Dragoon und hätte eigentlich schon für die 360 kommen sollen. Der letzte bekannte echte Exklusivtitel für die Xbox One ist Project Spark. Eine Spielebaukasten, der wie Black & White trifft auf Little Big Planet anmutete. Durchaus interessant, wie mächtig und einfach der „Funke“ letztlich bei der Bedienung überspringen wird, das wird sich jedoch erst zeigen müssen. Das ebenfalls gezeigte Titanfall sieht wirklich super und nach Fun aus. Ist aber auch nur ein weiterer Online-Shooter, entstanden mit einer extrem aufgebohrten Source-Engine (Half Life 2) und im Battlefield 2142 meets Unreal Tournament Stil, einschließlich Mechs. Außerdem erscheint es auch für den PC.

So weit so gut. Doch dann kam Sony. Und die Japaner wischten mit ihrer neuen Playstation 4 nicht nur optisch den Boden mit der Xbox One auf. Die erste Ohrfeige kassierte Microsoft schon beim Preis. Die PS4 wird stolze 100 Euro günstiger als der 360-Nachfolger und kostet tatsächlich „nur“ 399 Euro zum Start. Und, so wurde zur Häme von Microsoft verkündet, die PS4 hat keinen Onlinezwang und keine Gebrauchtspielsperre! Außerdem wurde die bisher „freiwillige“ und schon bei der PS3 einzig bei Persona 4 Arena zum Einsatz kommende Regionalsperre komplett aufgehoben. Es bleibt jedoch anzunehmen, dass einzelne Publisher wie bisher ihre Titel an Accounts binden werden. Ob es ein Wehrmutstropfen ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden, ähnlich wie bei der Xbox 360 benötigen Zocker auf Sonys kommender Konsole für ihr Online-Multiplayer-Erlebnis ein PS plus Abo, dieses kostet 50 Euro im Jahr und gilt für PS3 und PS4 gleichermaßen, einschließlich kostenloser Spieleangebote jeden Monat. Des weiteren ermöglicht Sony kleinen unabhängigen Entwicklern, ihre Titel selbst auf der PS4 zu publishen. Damit ist die PS4 auch als die Konsole für die Fans von Indie-Games prädestiniert. PS3 Spiele sollen über Gaikai immerhin als Stream spielbar sein, genaue Details was das kosten soll, stehen jedoch noch aus. Die Hardware im Detail: Acht-Kern AMD Jaguar Accelerated Processing Unit (APU) mit geschätzten(!) 2 GHz Taktfrequenz, 8 GB GDDR5 RAM, 500 GB selbst wechselbarer Festplatte und Blu-ray Laufwerk. Dazu kommen LAN, WLAN, USB 3.0, Bluetooth und HDMI mit 4k Unterstützung.

PS4

Mit Drive Club ruft Sony eine neue Franchise ins Leben, die augenscheinlich Forza Konkurrenz machen soll. Optisch gleichen sich die beiden Titel jedenfalls frappierend. Gran Turismo 6 kommt übrigens noch für PS3, weswegen Teil 7 bisher in den Sternen steht. Für die Freunde der Ego-Shooter wirft der holländische Entwickler Guerrilla Games mit Killzone: Shadow Falls den vierten Teil der Serie ins Rennen, der durchweg ansprechend aussah. Knack hingegen möchte mit seinem Physiksystem punkten, der roboterhafte Hauptcharakter kann in Dutzende kleine Teile zerfallen und sich wieder zusammensetzen, etwa um Hindernisse zu überwinden. Das sieht nett aber dank der kinderfreundlichen Optik nicht spektakulär aus und wäre so sicherlich schon auf der PS3 möglich gewesen. Ob das Action-Adventure zu gefallen wissen wird, lässt sich nur sehr schwer einschätzen. Mein Fall war es jedenfalls nicht. Ready at Dawn (bekannt für Daxter und zwei God of War-Teile auf der PSP) überraschte mit The Order 1886, einem Actiontitel, der im viktorianischen England angesiedelt ist und mit charismatischem Steampunk-Stil zu gefallen wusste. Das könnte was ganz Großes werden! Ebenfalls ganz groß und optisch ziemlich gut bietet sich Infamous: Second Son dar. Das 3rd Person Open World Actionspiel mit Antiheld und Superkräften wird sicher wieder seine Fans finden, waren die beiden Vorgänger doch schon äußerst kurzweilig. The Witness wird ein Open World Puzzlespiel in Zeichentrickoptik. Kommt durchaus innovativ daher und könnte interessant sein. Quantic Dream (Heavy Rain, Beyond: Two Souls) stellte eine Techdemo namens The Dark Sorcerer vor. Optisch wirklich ein Leckerbissen. Ob oder was das überhaupt wird, lässt sich aber leider gar nicht abschätzen.

Rollenspieler bekommen auf der PS4 gleich einen ganzen Korb exklusiver Titel dargereicht. Neben dem schon bekannten Deep Down, Nachfolger im Geiste zu Dragon’s Dogma, das ebenfalls mit seiner Grafik für offenstehende Münder sorgte, überraschte die Ankündigung von Bethesda, dass das MMORPG The Elder Scrolls Online neben dem PC auch auf der PS4 und XBox One erscheinen soll. Und dann war da noch Square Enix. Die mussten für Final Fantasy XIII von vielen enttäuschten Altfans herbe Kritik einstecken. Einzig der Ableger Final Fantasy Versus XIII schien mit völlig anderem Setting ein möglicher Lichtblick. Nun, Versus XIII für die PS3 wurde eingestampft und kommt jetzt auf der PS4 als Final Fantasy XV und damit wie alle Teile zwischen VII und XII wieder exklusiv auf einer Sony-Konsole. Dazu wurde dann auch gleich noch Kingdom Hearts III vorgestellt, wenig überraschend ähnelt es den Vorgängern, nur dieses Mal halt in HD.

Beide Konsolenhersteller haben einige Exklusivdeals mit 3rd-Party Entwicklern wie Electronic Arts oder Activision Blizzard abgeschlossen. So gibt es etwa spezielle Inhalte von Call of Duty oder Fifa nur für die Xbox One und von Diablo 3, Mad Max und Destiny einige Extrasachen nur für PS4. Ärgerlich!

Welche Exklusivtitel auf welcher Konsole einem besser gefallen, dass muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Auf beiden Geräten wird, wie nicht anders zu erwarten gewesen, ein großes Spektrum angeboten. Wobei die Xbox wie gewohnt eher auf schnelle Action setzt, die Playstation dafür aber auf eine generell eher breiter gefächerte Genrebasis. Der teurere Preis und die Entrechtung der Spieler als Eigentümer ihrer Games sowie das eingebaute Verfallsdatum, wenn die Server abgeschaltet werden, dann ist die Xbox One einschließlich aller(!) Spiele ein Fall für die Mülltonne, machen diese höchst unattraktiv. Es bleibt zu hoffen, dass die Konsolenkäufer nicht nur nach ihrer Lieblingsmarke entscheiden, sondern auch ihre Rechte einmal im Auge behalten. Nur wenn die Verkäufe ausbleiben kann Microsoft zum Umdenken bewogen werden und mit sehr viel Glück lockern sie dann auch ihre Restriktionen zum Wohle der Spieler. Denn letztlich soll bei einer Konsole schließlich der Spaß im Vordergrund stehen.

Kommentare:

  1. Ich finde es sau komisch, wie Sony Microsoft kontert. Ich hoffe das die Xbox-Fans die Augen öffnen und der Wahrheit entgegen blicken.

    Danke für deinen ausführlichen Bericht!

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  2. Was sich leider im Laufe der E3 immer wieder zeigte ist, dass Aussagen über Exklusivität (oder auch nicht) recht unzuverlässig sind. Inzwischen wurde z.B. bekannt, dass Final Fantasy XV zumindest auch für die XBox One kommen soll.

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